Workflow zur Erstellung
von hochauflösenden R-RGB-Planetenbidern: Am Beispiel Jupiter
Die nachfolgenden Parameter
beziehen sich auf folgende Komponenten:
- Optik: GSO Newton mit 200mm
Hauptspiegel und 800mm Brennweite
- Brennweitenverlängerung: 5 x
Barlow von Tele Vue
- Kamera: DMK 21AU618.AS USB
- Filtersatz: L-RGB-Filtersatz
1,25" von Astrolumina
- manuelles 5-fach Filterrad
- Software: Giotto 2.21,
Fitswork 4.42, Paint Shop Pro 6, IC Capture.AS 2.2
Aufbau:
- Abstand zwischen oberem Rand
der Barlow bis Kameragehäuse: 78mm

Ablauf am Teleskop:
- Über das Filterrad den Rot-Filter eindrehen
- Fokusieren des Planeten
- Einstellung der
Belichtungszeit und des Gain (Gain 900)
- Die Belichtungszeit stelle
ich ein in dem ich die Belichtungszeit so lange erhöhe, bis der Planet
anfängt, in der Mitte auszubrennen. Dann reduziere ich die Belichtungszeit
um 3 Stufen. Bei meiner verwendeten Brennweite liege ich dann im Bereich
noch 1/38 Sekunde bei hoher Luftfeuchtigkeit (diesig) bis 1/60 Sekunde bei
guter Durchsicht.
- Einstellung der Bildrate auf
30 Bilder pro Sekunde. Wenn 1/60 Sekunde Belichtungszeit möglich ist,
dann sind auch 60 Bilder pro Sekunde möglich und damit die doppelte
Bilderzahl pro Kanal. Immer bezogen auf Jupiter.
- Bilderanzahl festlegen: Ich
nehme hier 2.000 Bilder im R-Kanal auf. Die AVI-Dauer liegt dann bei 1min
07sec.
- Rot-Kanal aufnehmen
- Am Filterrad auf G-Kanal
wechseln
- Bilderzahl auf 100 Bilder
reduzieren
- Grün-Kanal aufnehmen
- Am Filterrad auf B-Kanal
wechseln
- Blau-Kanal aufnehmen
Ablauf am PC:
- "Giotto" öffnen
- Rot-Kanal-AVI stacken.
Hierzu "Überlagere Bilder automatisch ..." wählen.
- Die Einstellungen gehen aus
folgendem Screenshot hervor:

- zu Punkt 4: Die Aufnahme so
2-fach subpixelgenau überlagert werden. Danach soll die Aufnahme nicht
wieder auf Originalgröße werden.
- zu Punkt 5: Die prozentuale
Menge an Bilder, die überlagert werden sollen hängt stark von der
Qualität der Aufnahme ab. Bei schlechten Verhältnissen (schlechtes Seeing
od. Horizontnähe) empfiehlt es sich nur eine geringe Anzahl von Bilder (nur
die Bessten) zu stacken. Also z.B. nur 3 od. 5%. Bei guten Bedingungen
können auch 30% oder mehr der Bilder verwendet werden. Dies hat dann den
Vorteil, dass sich aggressiver Schärfen lässt, ohne dass das Ergebnis zu
rauschen beginnt. Die Gewichtung (Schärfe/Verzerrung) muss ebenfalls
entsprechend der Seeing-Verhältnisse angepasst werden.
- Das erhaltene Summenbild als
r.fits speichern
- Nun den G- und B-Kanal
ebenfalls stacken. Hier jedoch 100% Verwendungsrate verwenden.
- Erhaltene Summenbilder
wieder als g.fits bzw. b.fits speichern.
- Nun alle drei Bilder in
"Fitswork" öffnen

- in allen drei Bildern den
Planeten mit einer rechteckigen Markierung versehen

- nun die Funktion 3 s/W
Bilder zu RGB Bild (mit Verschiebung) ausführen und hierbei die einzelnen
Bilder den Kanälen zuordnen.
- Nun erhält man ein
einzelnes Bild das folgendermaßen aussieht:


- dieses Bild als RGB.fits
speichern
- Nun wechseln wir in "Giotto"
- Dort laden wir das
R-Kanal-Summenbild in den ersten Puffer
- Nun wählen wir die Funktion
"Schärfen und Filtern"
- Hier drei beispielhafte
Screenshots mit Einstellungen die bei mir gute Ergebnisse zeigen bei gutem
Seeing und bei 20% u. Gewichtung (80/20)


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Bei schlechtem Seeing wurde
auch diese Einstellung schon erfolgreich eingesetzt: bei 20% u. Gewichtung
(80/20)

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- Das geschärfte
Rot-Kanal-Bild als rs.fits speichern
- Wir öffnen nun das
geschärfte Rot-Kanal-Bild rs.fits in Fitswork.
- Wir wählen die Funktion
Farb-Bild s/W umwandeln (Luminanz)

- Somit haben wir nun ein
Luminaz-Bild aus dem Rot-Kanal gemacht.
- Wir öffnen das zuvor
erstellte RGB.fits Bild. Nun ist lediglich das Luminazbild und das RGB-Bild
geöffnet.
- Wir versehen den Planeten in
beiden Bildern mit einer rechteckigen Markierung

- Wir wählen die Funktion
L+RGB Bild kombinieren nicht skalieren
- Wir speichern das Ergebnis
als LRGB.fits

- Nun zurück in "Giotto". Dort
laden wir das LRGB.fits und nehmen die Tonwertkorrektur vor
- Folgende Einstellungen
ergeben bei mir gute Werte:

- Das Ergebnis wird nun als
LRGB.bmp gespeichert und in "Paint Shop Pro" geöffnet.
- Hier findet nun die die
Feinabstimmung statt. Z.b. wir hier die Helligkeit und der Kontrast so
erhöht dass die Mitte des Planeten noch nicht ausgebrannt ist:

- Außerdem kann hier noch
eine leichte Tonwertkorrektur vorgenommen werden

- Jetzt wird das Bild
verkleinert auf die Ursprüngliche Auflösung:

Bei Aufnahmen die bei sehr
guten Seeing gemacht wurden, kann eventuell ein "oversampling"
sinnvoll sein. Das heißt, wir verkleinert nicht auf 50% sondern lediglich auf
z.b. 70%. Als "Resize Type" kann auch "bikubisch" verwendet
werden.
- Nun wird ein neues Bild mit
schwarzem Hintergrund erstellt:

- Wir markieren nun den
Planeten mit der Rechteckauswahl und kopieren ihn in die Zwischenablage.
- Die Auswahl wird als neuer
Bereich ins neu erstellet schwarze Bild eingefügt, so dass der Planet
mittig ist.
- Wir speichern das Bild als
LRGB.bmp
- Wir öffnen nun das letzte
vorhergehende Resultat in "Fitswork" und wählen die Funktion "Text+Rahmen
einfügen"

- Wir fügen relevante Daten
zur Aufnahmen ein:

- Das fertige Ergebnis
speichern als *.bmp-file und als *.png-file für die Veröffentlichung im
Web.
Der hier aufgezeigte Weg, ist
einer von vielen und dient mir als Gedankenstütze. Aktuell ist er für mich praktikabel und nachvollziehbar und
führt zu guten Ergebnissen.
Herzlichen Dank an die
Mitglieder des Astronomie.de-Forums und anderer aktiver Planetenfotographen,
für die guten Tips und Ratschläge!
03.11.2011 Martin Hauser
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Allgemeine Hinweise:
- Weshalb ein
R-RGB-Komposit?: Das Seeing wirkt sich im langwelligen Lichtspektrum
weniger negativ auf die Schärfe aus. Daher dient der langwelligste Kanal,
in unserem Fall der Rot-Kanal, zusätzlich als Luminanzkanal. Alternativ
kann auch ein IR-Filter zum Einsatz kommen, also ein Filter der nur
Helligkeitsinformationen aus dem Infrarotbereich zum CCD durchlässt.
- Weshalb nur 100 Bilder
für den Grün- und Blau-Kanal? Da bei R-RGB-Aufnahmen lediglich der
Rot-Kanal relevant für die Bildschärfe ist, verwende ich die Hauptzeit der
Aufnahme für die R-Kanal-Aufnahme. Da Jupiter sich in ca. 10 Stunden einmal
im die eigene Achse dreht, ist bei der verwendete Brennweite und
Detailauflösung Eile geboten. Alle drei Farbkanäle sollten innerhalb von
maximal 2 Minuten gemacht werden.
- Die Orientierung
des Planeten auf dem fertigen Bild ist meines Erachtens Geschmacksache. Ich
orientiere Jupiter aktuell so, dass die Rotationsachte von Jupiter senkrecht
ist und der "Große Rote Fleck" im unteren Band ist.
- Tonwertkorrektur:
Da der R-Kanal bedingt durch die verwendeten Filter bei mir am hellsten ist,
wird dieser zur Einstellung der Belichtungszeit verwendet. Der G- und
B-Kanal ist bei gleicher Belichtungszeit dann etwas unterbelichtet. Daher muss eine relativ starke Tonwertkorrektur durchgeführt werden. Alternativ
könnten unterschiedliche Belichtungszeiten pro Farbfilter verwendet werden,
was aber Zeit während der Aufnahme kosten würde.
- Farbgebung:
Hier orientiere ich mich an den professionellen Aufnahmen der Telekamera der
Raumsonde Cassini vom 7. Dezember 2011. Dieses Bild ist aktuell im
Wikipedia-Artikel "Jupiter (Planet) zu finden. Jedoch mag ist die
braune Farbe nicht sonderlich. Daher wirken meine Aufnahmen eher etwas
rotbetonter.
- Belichtungszeit:
Die Belichtungszeit ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Hierzu
zählen die genutzte Brennweite, die Planetenhelligkeit, die Filterart, die
Empfindlichkeit der Kamera, der eingestellet Gain (Verstärkung) und die Durchsicht (Wetterverhältnisse).
Grundsätzlich ist es hilfreich, möglichst kurze Belichtungszeiten zu
nutzen, da so seeingbedingste Unruhen sich nicht so negativ auswirken und
eventuell eine höhere Bildrate verwendet werden kann, was zur folge hat, das
mehr Aufnahmen pro Zeit gemacht werden können. Dies wirkt sich dann positiv
beim Schärfen aus.
- Wie sieht ein gutes
bzw. schlechtes seeing aus?:
- gutes seeing: http://www.youtube.com/watch?v=GuotYSZhbUI
- schlechtes seeing: http://www.youtube.com/watch?v=LGc-vfEKcZ0
- Link zum Excel-File
zur Berechnung der effektiven Brennweite: http://www.martinhauser.de/excel/bw.xls
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